Resümée des 1. Saharacamps

04.05.2015 08:30

Vorgestern ging das erste SAHARACAMP Treffen unseres Vereins zu Ende und nach 5 ganzen Wochen BMW GS Treffen am Ende der Welt musste dann ja auch irgendwann einmal das Ende kommen!

Wir organisierten vom 29.3. bis zum 2.5. ein Treffen von GS Fahrern in der Sahara, ganz im Süden Marokkos. Die Besonderheit war die eindrucksvolle Endurostrecke "Plage Blanche", die vor unserer Haustüre lag. Das war wie für Rennfahrer ein Camp auf der Isle of Man oder in Daytona! Die Plage Blanche war eines der Highlights der Rallye Paris/Dakar und wird auch noch heute von "Enduropilgern" aus der ganzen Welt besucht. Man trifft dort untertags GS Fahrer aus USA, Kanada, Schweden, Polen, Norwegen, Frankreich, die alle noch nichts vom Saharacamp gehört hatten.

Unser Saharacamp stand ganz unter dem Zeichen der Symbiose mit der Hamada, mit den unzähligen Offroadstrecken um das Camp herum und der außergewöhnlich einsamen Lage des diesjährigen Saharacamps. Nichts um das Lager herum erinnert an die Zivilisation und das nächste Haus ist 30 Kilometer entfernt. Trotzdem waren wir im Fort Bou Jerif perfekt untergebracht und die gastronomischen Leistungen verdienten jeden Tag einen kleinen Michelin-Stern!

Angeboten wurden:

- hunderte zu erkundende Pisten

- täglich geführte Touren

- Touren zu den UN Soldaten nach Lâayoune und in die verbotene Stadt Smara

- Touren zu anderen Wüstenforts, in die Ex-Enklave Sidi Ifni oder in den Antiatlas

- ständige Verfügbarkeit einer Original BMW GS 650 Dakar-Wettbewerbsmaschine für alle

- 14 Tage lang Intervention eines KTM Werkteams aus Mattighofen, Test-KTMs, Werksinstruktoren

- 4 Tage lang Intervention von BMW Marokko mit 40 Personen und 28 GS Fahrern

- ein Dutzend Wüstenkombis der Fa. Held standen zum Test zur Verfügung

Im Saharacamp gab es ständig einen Mechaniker und wir konnten mit einem erprobten Netzwerk in allen Bereichen eingreifen: Reifen oder Ersatzteile konnten innerhalb von 4 Tagen aus Casablanca besorgt werden, Quads innerhalb von 12 Stunden, ein Ambulanzfahrzeug stand im Krankenhaus Guelmim für uns bereit, ein Armeehubschrauber war einsatzbereit und überflog mehrmals im Monat das Camp, um nach dem Rechten zu sehen, wir standen in permanenter Verbindung mit den Polizeioffizieren der umliegenden Städte. Die Sicherheitsvorkehrungen für unsere große Gruppe waren wirklich außergewöhnlich und setzten die Behörden im Umkreis von einigen hundert Kilometern unter Hochspannung: außer der damaligen Paris/Dakar sind noch nie so viele Abenteurer auf einmal in diese verlassene Gegend der Wüste gekommen!

Durch den Terrorangriff in Tunis kam es leider zu sehr vielen Absagen unter den Teilnehmern. Auch im Süden von Marrakesch wurde Anfang April eine IS-nahe Gruppe aufgegriffen und es herrschte überall im Süden von Marokko eine große Anspannung. Ab dem 15. 4. gab es eine große Militärübung am südlichen Teil des Plage Blanche. Marokkanische Truppen, die über die Landstrassen massiv in den Süden verlegt worden sind, trafen hinter dem Fort Tafnidilt mit amerikanischen Landungsbooten zusammen und so waren 100 Kilometer Küste für uns gesperrt. Ende März wurde auch der UN Bericht zur Lage in der letzten Kolonie der Welt, der Westsahara, veröffentlicht und sorgte für Unruhen in den Städten der Westsahara. Man erwartet dort seit Jahrzehnten eine Entscheidung über die Zukunft des Landes und der einheimischen Bevölkerung.

In all diesem Trouble wurden wir alle vom kommandierenden General der südmarokkanischen Truppen persönlich zu einem festlichen Abendessen in eine Oase eingeladen. Er war uns auch danach stets eine große Hilfe bei allen Problemen mit Polizeikontrollen, bei verlorenen Ausweisen oder fehlenden Zollpapieren.

Im Ganzen kamen 203 Teilnehmer in das Camp, die alle unterschiedlich lange vor Ort waren. Unser Credo war eine freie An- und Abreise, und somit eine größtmögliche Freiheit für jeden Teilnehmer. Das Wichtigste war für uns eine gute Infrastruktur im Camp aufrecht zu erhalten, denn Strom, warmes Wasser, eine saubere Hotelanlage und das tägliche, köstliche Essen sind absolut keine Selbstverständlichkeit so fernab der Zivilisation! Für alle anderen Probleme konnte immer eine Lösung gefunden werden und die wenigen Unfälle sind - hamdullah! - glimpflich ausgegangen!

Unsere Erwartungen sind daher ganz und gar erfüllt worden! Klar, dass bei einem solchen ersten Event des Vereins nicht alles perfekt war: uns fehlte in erster Linie ein Animateur, für die täglichen Planungen, Ansagen und die allgemeine Kommunikation, ein weiterer Tourguide und eine weitere Reservemaschine. Einige Teilnehmer erwarteten im Wüstenfort ein kleines "BMW Days Garmisch", andere wollten sich nach dem 12.4. (Abfahrt des KTM Werksteams) mit KTMs in den Dünen austoben. Nicht allen konnte es recht gemacht werden. Für viele war es ihr erster Kontakt mit Marokko und der Sahara und viele stellten sich die Wüste spektakulärer vor und erwarteten mehr Teilnehmer, mehr Animation im Camp. Durch die Nähe zum Atlantik war es morgens oft kühl, windig und grau, und erst gegen Mittag ist die Wolkendecke aufgerissen. Wegen der freien Zeiteinteilung kam es zu recht unterschiedlichen Auslastungen des Saharacamps: ein Maximum von 72 Personen und ein Minimum von 5 Personen waren zu verzeichnen.

Noch nie hat es ein so großes und ein so langes BMW GS Treffen in AFRIKA gegeben! Für unseren jungen Verein war das eine große Herausforderung und für jeden einzelnen Teilnehmer auf jeden Fall ein historisches Erlebnis!

Unser herzlicher Dank gilt allen Teilnehmern, den Tourguides, unserem Vereins-Assistenten Tobias, dem Planungsteam in München und anderswo, der Firma KTM, der Firma TOURATECH, der Firma HELD, der Firma LOUIS, BMW Marokko und den Behörden in Marokko, die sich exemplarisch um unsere Sicherheit bemüht hatten!

Für das nächste Saharacamp vom 10.10. bis zum 25.10. im Osten Marokkos, nahe der algerischen Grenze, suchen wir einen Reiseveranstalter, dem wir zukünftig diese Veranstaltungen übertragen können.